Der Rhein prägt die Städte am Ufer als Verkehrsweg, Wirtschaftsraum und öffentlicher Lebensraum. Doch wenn lang anhaltender Regen, gesättigte Böden und Schneeschmelze zusammenkommen, wird aus dem vertrauten Fluss eine Bedrohung. Die Hochwasser von 1926, 1993 und 1995 gehören zu den prägenden Ereignissen der jüngeren Geschichte zwischen Köln, Düsseldorf und Bonn. Ein Blick auf die Pegelstände zeigt, wie unterschiedlich die Städte betroffen waren – und warum Hochwasserschutz mehr umfasst als Deiche und Sandsäcke.
Warum der Rhein steigt
Hochwasser entsteht oft nicht allein durch Regen direkt am Fluss. Niederschläge im großen Rheineinzugsgebiet gelangen über Nebenflüsse wie Mosel und Sieg in den Rhein. Kritisch wird es, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen: anhaltender Regen, bereits wassergesättigte Böden, Schneeschmelze und zeitgleich anschwellende Zuflüsse.
Auch die Dauer eines Hochwassers ist wichtig. Ein Pegel muss nicht den höchsten historischen Stand erreichen, um über viele Wochen Schutzanlagen, Schifffahrt und Anwohner zu belasten.
1784: Als Eis den Fluss aufstaute
Im Februar 1784 traf ein extremes Eishochwasser den Rhein. Nach einem außergewöhnlich kalten Winter setzte Tauwetter ein. Aufbrechende Eisschollen wurden flussabwärts getrieben und stauten sich an Engstellen. Das Wasser konnte nicht mehr ungehindert abfließen.
Für Köln wird ein historisch rekonstruierter Pegelstand von etwa 13,55 Metern angegeben – höher als bei den großen Hochwassern des 20. Jahrhunderts. Straßen und Häuser wurden überschwemmt und Gebäude schwer beschädigt. Für Köln und das damals eigenständige Mülheim sind 63 Todesopfer überliefert. Das Ereignis erinnert daran, dass neben Regen und Schneeschmelze auch Eisstau eine Gefahr sein kann.
1926: Hochwasser zum Jahresbeginn
Anhaltende Niederschläge und Schneeschmelze ließen den Rhein Anfang 1926 stark steigen. In Köln wurden am Neujahrstag 10,70 Meter gemessen, in Düsseldorf am 2. Januar 11,10 Meter. Für Bonn ist ein Höchststand von 10,10 Metern dokumentiert.
In Köln errichtete die Stadt kilometerlange Notstege, Sandsackbarrieren und provisorische Schutzanlagen. Dennoch drohten an mehreren Stellen Dammbrüche und Stromausfälle. Die Wassermassen blieben tagelang auf außergewöhnlich hohem Niveau. Das Hochwasser wurde zu einem wichtigen Einschnitt für den kommunalen Schutz vor Überschwemmungen.
1993 und 1995: Zwei Fluten in kurzer Folge
Im Dezember 1993 sorgten außergewöhnlich starke Regenfälle für einen raschen Anstieg des Rheins. Am Heiligabend erreichte der Kölner Pegel 10,63 Meter. Teile der Altstadt standen unter Wasser, Geschäfte mussten schließen und Bewohner schützten ihre Häuser mit Sandsäcken. Die mobile Schutzwand wurde überspült. Auch Düsseldorf und Bonn waren betroffen: Dort wurden 10,24 beziehungsweise 10,13 Meter gemessen.
Nur gut ein Jahr später, Ende Januar 1995, stieg der Rhein erneut stark an. Heftige Niederschläge, Tauwetter und Zuflüsse unter anderem aus Mosel und Sieg trugen dazu bei. In Köln stieg der Pegel zeitweise um bis zu 21 Zentimeter pro Stunde und erreichte am 30. Januar 10,69 Meter. Rund 1.740 Hektar Stadtgebiet wurden überflutet, etwa 33.000 Menschen waren betroffen. Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln bezifferten die Schäden auf rund 35 Millionen Euro.
In Düsseldorf lag der Höchststand 1995 bei 10,32 Metern, in Bonn bei 10,08 Metern. Die Schutzmaßnahmen, die nach dem Hochwasser von 1993 verbessert worden waren, trugen dazu bei, dass die Schäden geringer ausfielen als beim vorherigen Ereignis.
Die Pegelstände im Vergleich
Die Werte beziehen sich jeweils auf den örtlichen Pegelnullpunkt. Sie lassen sich deshalb nicht unmittelbar als vergleichbare Flusshöhen lesen.
| Jahr | Köln | Düsseldorf | Bonn |
|---|---|---|---|
| 1926 | 10,70 m | 11,10 m | 10,10 m |
| 1993 | 10,63 m | 10,24 m | 10,13 m |
| 1995 | 10,69 m | 10,32 m | 10,08 m |
Die Zahlen zeigen: Ein einzelner Pegelwert erzählt nicht die ganze Geschichte. Entscheidend sind auch Dauer, Verlauf und örtliche Lage. Tiefliegende Uferbereiche können früh betroffen sein, während Schutzanlagen andere Stadtteile sichern.
Drei Städte, unterschiedliche Schutzaufgaben
Köln: Schutz entlang eines langen Rheinufers
In Köln kommen auf rund 70 Kilometern Rheinufer verschiedene Schutzlösungen zum Einsatz: Deiche, feste Mauern, mobile Wände, Pumpanlagen und Rückhalteräume. Für unterschiedliche Abschnitte nennen die Stadtentwässerungsbetriebe Schutzziele von 10,70, 11,30 und 11,90 Metern am Kölner Pegel. Mobile Elemente werden bei steigenden Wasserständen montiert, um Straßen, Grundstücke und Gebäude zu schützen.
Wie lang eine Hochwasserlage dauern kann, zeigte sich Anfang 2024: Der Höchststand lag mit 8,23 Metern deutlich unter den Werten von 1993 und 1995. Trotzdem blieb der Rhein 61 Tage über der Kölner Hochwassermarke von 4,50 Metern. Laut Stadtentwässerungsbetrieben war dies die längste solche Phase seit Beginn der Wasserstandsaufzeichnungen 1816.
Düsseldorf: Uferflächen und technische Sicherungen
In Düsseldorf sind tief gelegene Wege und Rheinwiesen besonders früh von Überflutungen betroffen. Deiche, Hochwasserschutztore und technische Anlagen sichern gefährdete Bereiche. Bei steigenden Pegeln werden zunächst tiefergelegene Wege gesperrt. Später können Tore und Schieber geschlossen, Pumpen aktiviert und Deiche kontrolliert werden.
Bonn: Schutz für tiefer gelegene Bereiche
In Bonn sind unter anderem Beuel, Geislar und Schwarzrheindorf rechtsrheinisch sowie Graurheindorf und direkte Uferbereiche linksrheinisch im Blick des Hochwasserschutzes. Teile der Beueler Uferpromenade werden bereits bei etwa sieben Metern Bonner Pegel überflutet; auch das Rathenauufer ist früh betroffen.
Nach den Hochwassern von 1993 und 1995 wurden Deiche modernisiert, Schutzmauern und mobile Elemente ergänzt sowie Pumpwerke eingerichtet. Die Deichanlage Beuel-Nord ist auf einen Bonner Pegel von 11,20 Metern ausgelegt. Maßnahmen an der Kanalisation beginnen bereits bei 5,50 Metern, um das Eindringen von Rheinwasser zu begrenzen.
Was Bewohner zur Vorsorge wissen sollten
Wer in der Nähe des Rheins wohnt, sollte prüfen, ob das eigene Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt. Hochwassergefahrenkarten geben dafür eine wichtige Orientierung. Ebenso wichtig sind funktionierende Rückstausicherungen und ein Plan für den Fall, dass Wasser ins Gebäude eindringt.
Wertvolle Gegenstände und wichtige Unterlagen sollten nicht ungeschützt in gefährdeten Kellerräumen lagern. Bei einer konkreten Warnung sind die Anweisungen von Feuerwehr, Stadt und Katastrophenschutz maßgeblich. Aktuelle Pegelstände, Vorhersagen und örtliche Vorsorgeinformationen bieten die zuständigen Stellen in Köln, Düsseldorf und Bonn sowie das Hochwasserportal.
Schutz ist wichtig – vollständige Sicherheit gibt es nicht
Seit den großen Fluten hat sich der Hochwasserschutz verändert: Neben Deichen und festen Mauern gehören mobile Wände, Pumpen, Rückhalteräume und Prognosen zu den Maßnahmen. Doch keine Schutzanlage kann jede denkbare Überschwemmung ausschließen. Die Hochwasser von 1784, 1926, 1993 und 1995 zeigen, wie stark sich Ursachen und Folgen unterscheiden können. Für die Städte am Rhein bleibt deshalb beides unverzichtbar: technische Vorsorge und die rechtzeitige Information der Bevölkerung.
